Geschichte des MGV Riedlingsdorf


Gründerjahre (1903 bis 1914)

Die Geschichte des Männergesangsvereines Riedlingsdorf beginnt im Jahre 1903, also in einer Zeit als es das Burgenland in seiner heutigen Form noch gar nicht gab. Die kleine Ortschaft Rödön (Riedlingsdorf) gehörte damals zum westungarischen Kommitat Vas Megye und in der gebräuchlichen ungarischen Amtssprache hieß der Verein ‚Egyetertes‘ (= Eintracht).

Aus dieser Zeit und auch aus der Periode zwischen den beiden Weltkriegen gibt es leider keine originalen Vereinsaufzeichnungen. Uns steht als einzige Informationsquelle lediglich ein wenige Seiten starker Bericht des Vereinsschriftführers Tobias Schuh zur Verfügung, den dieser 1955 verfaßte. Tobias Schuh versuchte damals mit dem einzigen zu dieser Zeit noch lebenden Gründungsmitglied, Samuel Fleck, die ersten fünfzig Jahre des Männergesangsvereines zu rekonstruieren. Auf die Erinnerungen von Samuel Fleck und des damaligen Volksschuldirektors i.R. und Ehrenobmannes Adolf Unger (‚Unger-Lehrer‘) stützen sich die nachfolgenden Aussagen. 

Treibende Kraft im Jahr 1903 bei der Gründung des MGV Riedlingsdorf war der evangelische Volksschullehrer Johann Posch. Er war die gute Seele des Vereines und hatte sowohl die Funktion des Obmannes als auch die des Chorleiters inne. Ihm zur Seite stand als Obmannstellvertreter der katholische Lehrer Karl Hazivar. Laut Bericht des Samuel Fleck waren folgende weitere Riedlingsdorfer Gründungsmitglieder:
 

Trattner Matthias, Hausnummer 215
Zapfel Tobias, 21
Steger, 134
Bruckner, 67
Kaipel Samuel, 20
Bayer Wendelin, 19
Schaden Samuel, 85
Schaden Johann, 236
Fleck Samuel
Piff Samuel, 211
Zapfel Samuel, 130
Steger, 2 

Wie wir schon gehört haben, trug der Verein den Namen ‚Eintracht‘. Sein Motto war und ist:
 

Himmlische Wonne 
liegt in dem Tone
Eintracht und Friede
im Liede

Verfasser und Komponist dieses Mottos ist Professor Eitner, der um die Jahrhundertwende als Musiklehrer an der Lehrerausbildungsanstalt Oberschützen tätig war.

Die Singstunden wurden in den Wintermonaten in der Wohnung des Chorleiters im Schulgebäude Haus 218 abgehalten. In den Sommermonaten ruhte hingegen das Vereinsleben, da die Mitglieder ihrer Arbeit nachgehen mußten.

Der Erste Weltkrieg führte dazu, daß der Vereinsbetrieb eingestellt wurde. Es sollten auch nach diesem furchtbaren Völkerringen noch einige Jahre vergehen, bis sich 1929 endlich wieder Riedlingsdorfer Männer zu gemeinsamen Gesang trafen.
 

Zwischenspiel (1929 bis 1939)

Der Erste Weltkrieg forderte auch von der kleinen Ortschaft Riedlingsdorf einen hohen Blutzoll. Insgesamt 40 junge Riedlingsdorfer blieben auf Europas Schlachtfeldern.

Es war dies aber nicht die einzige Entwicklung, die dazu führte, daß die Riedlingsdorfer Ortsbevölkerung von 1900 bis Mitte der Zwanziger Jahre um etwa 200 Seelen abnahm. Hauptverantwortlich war ein Phänomen, das gerade in den Jahren als unserer Verein gegründet wurde einsetzte und als das Burgenland zu Österreich kam, seinen Höhepunkt erreichte. Es war die Amerikawanderung der Burgenländer, die auch vor Riedlingsdorf nicht halt machte. Überbevölkerung und schlechte wirtschaftliche Lebensbedingungen veranlaßten mehr als 150 Riedlingsdorfer den riskanten Schritt in eine unsichere Zukunft zu setzen. Ob auch Mitglieder des MGV Riedlingsdorf unter diesen Auswanderern waren, läßt sich heute nicht mehr einwandfrei feststellen. Zumindest waren aber nahe Familienmitglieder der Riedlingsdorfer Sänger unter den Emigranten. 
Besonders erfreulich ist die Tatsache, daß einige Nachkommen dieser Amerikaburgenländer, die selbst noch nie einen Fuß auf Europa oder wie sie sagen ‚in die alte Heimat‘ gesetzt haben, dem MGV Riedlingsdorf als unterstützende Mitglieder beigetreten sind. Der Kontakt mit diesen Menschen wurde nach so langer Zeit, über unsere Homepage hergestellt, auf mehr auch einiges über die Riedlingsdorfer Auswanderer erfahren kann: Schwerpunktseite Auswanderung


Postkarte eines Auswanderers aus Bremen von 1928

Die Leiden der Nachkriegsjahre, die unsicheren politischen Verhältnisse, der Aderlaß durch Krieg und Auswanderung und die triste wirtschaftliche Situation. All dies waren wahrscheinlich Gründe warum sich erst 1929 wieder Riedlingsdorfer Männer zusammenfanden, um die Tradition des Männergesangsvereines ‚Eintracht‘ fortzusetzen. Triebfeder war diesmal der erst 28-jährige Adolf Trattner (Hausnr. 215), der den MGV als Obmann zu neuem Leben erweckte. Ihm stand als Chorleiter Josef Wohlmuth zu Seite. Als dieser einige Jahre später dem Ruf der Auswanderung folgte, wurde seine Funktion vom Volksschullehrer Ludwig Toth aus Pinkafeld übernommen. Bis zum Jahre 1938 gab es zwischendurch auch zwei weitere Chorleiter, beide Volksschullehrer aus Riedlingsdorf, nämlich Johann Krutzler und Gustav Bayer.


Erinnungsfoto vom 26.8.1929
In der Mitte Vereinsgründer Johann Posch, links von ihm Chorleiter J. Wohlmuth, rechts Obmann Adolf Trattner

Auf das Vereinsleben fielen bald dunkle Schatten. Mit dem Anschluß Österreichs an das Deutsche Reich und dem bald darauffolgenden 2. Weltkrieg verstummten die Stimmen wieder. Es sollten wieder mehr als 10 Jahre ins Land ziehen, ehe man sich wieder traf, um dem Motto ‚Himmlische Wonne liegt im den Tone, Eintracht und Friede im Liede‘ zu huldigen.

Bis dahin forderte aber der Moloch Krieg das Leben von fast 100 Riedlingsdorfern Männern. Unter ihnen auch der kurzzeitige Chorleiter Gustav Bayer, der im September 1944 als Soldat einer Flakabteilung in den Niederlanden sein Leben lassen mußte. 

Neue Gründerjahre (1951 bis 1960)

1951 - 1952

Sechs Jahre waren schon wieder in das Land gezogen seit der furchtbarste aller Kriege geendet hatte, als sich am 27.12.1951 im Gasthaus Schranz unter dem damaligen Bürgermeister Samuel Bundschuh Riedlingsdorfer Männer trafen, um den MGV ‚Eintracht‘ Riedlingsdorf ein drittes Mal zu gründen. Aufgrund der geschichtlichen Entwicklung im letzten Jahrhundert war dies, Gott sei Dank, die letzte Neugründung, die notwendig war. Seit diesem Zeitpunkt wurde das Vereinsleben bis in unsere Zeit ohne Unterbrechung fortgeführt. 
 

Die Vereinsleitung wurde in folgender Zusammensetzung gewählt:

Obmann: Trattner Adolf, 215
Obmannstellvertreter: Zapfel Alexander, Pinkafeld
Schriftführer: Hutter Hans, 218
Schriftführerstellvertreter: Zapfel Hans, 175
Kassier: Zapfel Samuel, 71
Kassierstellvertreter: Zapfel Johann, 201
Chorleiter: Huber Johann, 125
Chorleiterstellvertreter: Hutter Hans, 218

Als Ausschußmitglieder fungierten:
Mühl Adolf 197, Zapfel Johann 308, Schaden Johann 274, Kuch Julius 203, Schlögl Johann 312 und Boubela Edi 302.

Ehrenobmann war Volksschuldirektor Adolf Unger
Ehrenchorleiter war Lehrer Ludwig Toth aus Pinkafeld
Ehrenmitglieder waren Bürgermeister Samuel Bundschuh und Lehrer Tobias Bruckner.

Der Verein zählte insgesamt 32 aktive Mitglieder. Für unterstützende Mitglieder wurde ein Jahresbetrag von 15 Schilling festgesetzt. Das Probenlokal war wieder das Schulgebäude 218, das bereits bei den beiden Vorgängervereinen eine wichtige Rolle gespielt hatte. Mit Chorleiter Johann Huber bekam Obmann Adolf Trattner einen Mann zur Seite gestellt, der in den nächsten Jahren den Verein prägen sollte. Der Einsatz beider Männer, Obmann Trattner für den organisatorischen und Chorleiter Huber für den künstlerischen Teil, sorgte dafür, daß der Männergesangsverein ‚Eintracht‘ Riedlingsdorf weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt wurde.

1953 - 1954

Bei der Jahreshauptversammlung am 11. 1.1953 gab es einige geringfügige Änderungen im Vorstand, wobei vor allem die Bestellung von Julius Kuch zum neuen Kassier hervorzuheben ist, der diese Funktion über Jahre hindurch ausüben sollte. Für die Vereinsgeschichte war diese Versammlung insofern von großer Bedeutung, weil dort die Weichen für das Sommerfest 1953 mit Fahnenweihe und 50-jährigem Bestandjubiläum gestellt wurden. 

In weiterer Folge wurden Jolanthe Boubela als Fahnenmutter und Hilde Stukitz als Fahnenpatin auserwählt. Beide Frauen waren die Töchter des Vereinsgründers Johann Posch und waren daher mit dem MGV Eintracht eng verbunden. Als Fahnenjunker wurde Johann Zapfel 308 und als sein Stellvertreter Adolf Bundschuh bestellt.

Am 1. und 3. Mai wurde in der Ortschaft für die Fahnennägel geworben, die man für 20, 50 oder 100 Schilling kaufen konnte. Das eigentliche Fest ging über drei Tage. Am 26.6., einem Freitag, gab es ein Ständchen bei Fahnenmutter und Fahnenpatin. Am 27.6., Samstag, wurde der Toten gedacht mit Kranzniederlegung am Kriegerdenkmal und einem Fackelzug. Am 28.6., Sonntag, war schließlich der Höhepunkt des Festes mit Empfang der eingeladenen Verein und Gäste beim Schulhaus. Abholung der Fahnenmutter und der Fahnenpatin durch den Obmann. Abmarsch zum Festplatz, wo die Fahnenweihe stattfand.


Fahnenmutter und Fahnenpatin mit den Sängern


Der MGV Riedlingsdorf mit der neuen Vereinsfahne

1955 - 1956

In dieser für Österreichs jüngeren Geschichte so wichtigen Zeit kehrte in das Vereinsleben schön langsam etwas wie Alltag ein. Man veranstaltete jedes Jahr einen Sängerball und man nahm ein reges Besuchsprogramm auf, das den Verein zu befreundeten Chören wie Vorau, Rotenturm, Loipersdorf, Puchberg am Schneeberg usw. und zum Landessängerfest nach Eisenstadt brachte.

Bemerkenswerte Änderung in der Vereinsleitung war, daß Tobias Schuh 18 ab 1955 die Funktion des Schriftführers übernahm, dessen Bemühen wir die Aufzeichnungen aus den ersten fünfzig Jahren des Vereines zu verdanken haben. Die Zahl der aktiven Mitglieder blieb mit 33 annähernd konstant, die Zahl der unterstützenden Mitglieder lag bei etwa 55.
Zu dieser Zeit tauchen in den Vereinsannalen erstmals auch die Namen unserer heutigen langgedienten Sangesbrüder auf. So übernahm Josef Weisz 1955 die Funktion des Materialverwalters und Walter Zapfel wurde 1956 anläßlich seiner Hochzeit ein Ständchen gesungen.

1957 - 1960

In diesem Jahr wurden die üblichen Vereinsaktivitäten, wie Sängerball, reges Besuchsprogramm, Hochzeit- und Begräbnissingen durchgeführt. Am 20.12.1957 wurde vom MGV ein ‚Bunter Abend‘ im Saal des Kinos (auch so etwas gab es damals in Riedlingsdorf) veranstaltet. In der Oberwarter Zeitung erschien dazu am 12.1.1958 folgender Artikel:
„Riedlingsdorf. Bunter Abend.
Der Männergesangsverein ‚Eintracht‘ veranstaltete am 20. Dezember 1957, einen gut gelungenen ‚Bunten Abend‘. Durch das abwechslungsreiche Programm mit Liedervorträgen, Instrumentalmusik und Aufführung von Theaterstücken war der Abend sehr reichhaltig gestaltet. Die Verbindung der einzelnen Darbietungen besorgte Lehrer Hans Hutter, der es ausgezeichnet verstand, in origineller und humorvoller Weise die über 300 Gäste fröhlich zu stimmen und zu unterhalten. Er war die Seele des Abends. Auch die übrigen Mitarbeiter brachten die ihnen zugeteilten Rollen in ausgezeichneter Weise zum Vortrag und waren bestrebt ihr Bestes zu geben. Allen Mitwirkenden wurde vom Publikum reicher Beifall gespendet. Die in exakter Weise vorgetragenen Lieder – meist Volkslieder – haben bei den Zuhörern einen guten Anklang gefunden.“ 

Das Jahr 1960 begann für den MGV mit einem großen Verlust. Anfang Jänner verstarb mit Samuel Fleck das letzte Gründungsmitglied aus den Anfangstagen des Vereines. Schriftführer Tobias Schuh widmete Samuel Fleck, dem wir die so wichtigen Informationen über die Zeit vor dem 1. Weltkrieg verdanken, folgenden Nachruf:
„Der Männergesangsverein ‚Eintracht‘ in Riedlingsdorf hat am Mittwoch, dem 13. Jänner 1960, sein ältestes Mitglied, Herrn Samuel Fleck zu Grabe getragen. Der Männerchor sang ihm zu Abschied zwei tiefrührende Trauerchöre. Sangesbrüder trugen den Sarg mit der sterblichen Hülle des Toten vom Trauerhause bis auf den Friedhof. Nach der kirchlichen Einsegnung durch den evangelischen Pfarrer Beowulf Moser aus Pinkafeld sprach für uns der Obmann Adolf Trattner ergreifende Worte des Abschiedes und legte als letzten Gruß einen schönen Kranz am offenen Grab nieder. Tief ergriffen nahmen wir alle Abschied von unserem Ehrenmitglied Fleck, der an der Gründungsversammlung unseres Vereines im Jahre 1903 teilgenommen hat. Er war der letzte lebende Zeuge jenes Geschehens vor 57 Jahre, bei welchem eine sangesfreudige, fröhliche Schar junger Männer den Gesangsverein ‚Eintracht‘ aus der Taufe hob. Unser Felck-Veda war auf diese seine Eigenschaft als ‚Gründungsmitglied‘ äußerst stolz. Als begeisterter Anhänger des deutschen Liedes hat Sangesbruder Fleck trotz seines hohen Alters von 82 Jahren sehr regen Anteil an der Arbeit des Vereines gezeigt. Die Macht des Liedes hat unseren Fleck-Veda ganz ergriffen; trotz zittriger Hände und Füße kam er auf seinem Stock gestützt zu den Veranstaltungen des Vereines. Versagten ihm die Füße den Dienst, so ließ er sich von jüngeren Sangesbrüdern begleiten und führen. Nichts konnte ihn zurückhalten, auch nicht eine für ein so hohes Alter oft beschwerliche Autobusfahrt des Vereines in irgend eine Nachbargemeinde. Treu ergeben war er dem Liede und darum wollen auch wir ihm treu sein und unseren alten, ehrwürdigen und begeisterten Sangesbruder, unseren Fleck-Veda, nie vergessen. Der Verein wird ihm ein stets ehrendes Andenken bewahren.
Tobias Schuh e.h.
Schriftführer“

Jahre der Blüte (1961 bis 1970)

1961 - 1963

Die Sechziger Jahre waren für den Verein eine Zeit der Blüte. Neben der Feuerwehr und dem Fußballverein war der Männergesangsverein jene Gemeinschaft im Dorf, die das öffentliche Leben prägte. 
Wie nahe aber Freud und Leid im Vereinsleben beieinanderliegen, zeigt der Bericht von der Hauptversammlung aus dem Jahre 1962. Damals wie heute ist die Probendisziplin im Verein ein immer wiederkehrendes Thema. 
Chorleiter Direktor Huber hatte 1962 die Sangesbrüder während des Jahres immer wieder zu oftmaligen und pünktlichen Probenbesuch aufgefordert. Da dies anscheinend nicht immer auf fruchtbaren Boden fiel, griff Schriftführer Tobias Schuh dieses leidige Thema in seinem Jahresbericht folgendermaßen auf:
„Der Verein ist auch in diesem Jahre seinem Auftrage – Pflege des deutschen Liedes – getreulich nachgekommen. In vielen Stunden des Jahres wurden alte Lieder wiederholt, neue geprobt und dazugelernt. Unser Obmann und unser Chorleiter sind sehr bestrebt, den Verein auf der Höhe zu erhalten, die sich die ‚Riedlingsdorfer‘ durch ihr mustergültiges Benehmen als Sangesbrüder und durch die Exaktheit ihrer Aufführungen bisher erkämpft haben. Es sei mir aber hier an dieser Stelle ein etwas schärferes Wort gestattet. Die lobenswerten Bestrebungen dieser beiden Herren bleiben aber erfolglos, wenn die Sangesbrüder in ihrem Eifer nachlassen und lau werden. Dies zeigt sich besonders in den Singstunden. Ein Verein kann nur dann bestehen und in die Höhe kommen, kann nur dann an Ansehen gewinnen, wenn sich alle Mitglieder mit ihrer vollen Kraft einzeln, pünktlich und fleißig in die Singstunden kommen und üben; denn bis so ein Lied sitzt, bis man es vor der Öffentlichkeit vortragen kann, braucht es viel Mühe und Arbeit,  das wißt Ihr ja selbst. Erspart mir weitere Ausführungen in dieser Angelegenheit. Ich hoffe, es versteht mich jeder. Ich will in den Verein keinen Zwist bringen, ‚Eintracht‘ ist der Name unseres Vereines, wollen wir diese Eintracht und diesen Frieden nicht nur im Liede pflegen, wie unser Motto lautet, sondern unser gesellschaftliche Verkehr möge auf diese Eintracht abgestimmt sein, auch in den Singstunden.“

Dieser Appell von Tobias Schuh ist zeitlos und könnte auch heute in so mancher Jahreshauptversammlung vorgelesen werden und dies sicherlich nicht nur beim MGV Riedlingsdorf. Trotz all dieser kleineren Probleme, die das Vereinsleben mit sich brachte und bringt, ist es jedoch unbestritten, daß auch die Erfolge des MGV Riedlingsdorf zeitlos sind. Zum Beweis sei hier gleich der nächste Textauszug aus dem Protokoll der Jahreshauptversammlung 1962 nachgereicht:
Bürgermeister Tobias Zapfel HausNr. 7 überbringt die Grüße der politischen Gemeinde und dankt dem Verein für das Mitwirken bei Feierlichkeiten, die die politische Gemeinde Riedlingsdorf im vergangenen Jahre verantwortet hat. ‚Wir danken dem Herrgott‘, sprach er, ‚daß er uns so weit geführt hat und bitten ihn, er möge uns auch in Zukunft beschützen und beschirmen. Gemäß unserem Motto wollen wir in Eintracht und Frieden das neue Jahr 1962 begrüßen und in Einigkeit und Freiheit unser Leben weiter führen.‘ Zum Dank dafür, daß sich der Verein immer so uneigennützig in den Dienst der Öffentlichkeit gestellt hat, spendet der Herr Bürgermeister den Sängern 10 Liter Wein und 5 Liter Sodawasser. Diese Worte des Herrn Bürgermeister haben wie eine Bombe eingeschlagen. Alle Gesichter heiterten sich auf, auch dem Griesgrämigsten unter uns huschte ein Lächeln über das Gesicht. Ein stürmischer Applaus quittierte die feine, noble Rede mit herzlichem Dank. Obmann Trattner faßte den Dank der Sänger in Worte.“ 

Die älteste vollständige Mitgliederliste, die in den Vereinsannalen erhalten geblieben ist, stammt aus dem Jahre 1962. Wie ihr zu entnehmen ist, waren damals folgende 31 Riedlingsdorfer aktiv im Männergesangsverein tätig: 
Arthofer Johann (Hausnummer 47), Huber Adolf (76), Huber Johann (125), Hutter Hans (70), Klein Franz (196), Kuch Julius (374), Lang Johann (30), Mühl Adolf (379), Mühl Johann (103), Mühl Erich (193), Mühl Ernst (222), Reusser Günther (280), Reusser Walter (280), Renner Georg (261), Seidl Josef (8), Schuh Tobias (18), Stumpf Jakob (168), Szendy Stefan (46), Trattner Adolf (215), Tunkl Johann (391), Weisz Josef (305), Zapfel Alexander (Pinkafeld), Zapfel Alfred (82), Zapfel Johann (308), Zapfel Johann (175), Zapfel Walter (309), Zethofer Samuel (34), Ziermann Adolf (182), Ziermann Johann (171), Ziermann Johann (228) und Varga Ludwig (37).
Die Zahl der aktiven Sänger lag in den Sechziger Jahren konstant bei über 30 Sängern, wobei sie in der Mitte dieses Jahrzehntes bis auf 35 anstieg, um dann gegen Ende der Sechziger wieder auf den ursprünglichen Wert von etwa 30 zu fallen. Bei den unterstützenden Mitgliedern war ein Anstieg von 50 (im Jahre 1961) auf 65 (im Jahre 1970) zu verzeichnen (zum Vergleich im Jahre 2003 beträgt die Anzahl der unterstützenden Mitglieder etwas über 200). 


Zu allen Zeiten in der Vereinsgeschichte verstanden es die Sänger zu feiern

Das Jahr 1963 brachte einen bedeutsamen Wechsel im Vereinsvorstand, der langjährige Schriftführer Direktor Tobias Schuh übergab sein Amt an seinen Nachfolger Josef Weisz. Der historische Verdienst von Direktor Tobias Schuh für den Verein war, daß er versucht hatte, die Zeit vor dem 2. Weltkrieg zusammen mit den letzten Augenzeugen aufzuarbeiten, um sie so den nachfolgenden Generationen von Sängern zu erhalten. Mit Josef Weisz wiederum wurde ein Mann in den Vorstand gewählt, der fortan den MGV Riedlingsdorf mit seinem großen Einsatz wesentlich mitprägte. Als er im Jahre 2001 dieses Amt in jüngere Hände legte und in die zweite Reihe zurücktrat, konnte er auf unglaubliche 38 arbeitsreiche Jahre als Schriftführer des MGV Riedlingsdorf zurückblicken. Sein Versprechen vom 30.1.1963 "als neuer Schriftführer seine Aufgaben nach bestem Wissen auszuführen" hatte er somit wahrlich erfüllt.

1964 - 1966

Im Jahre 1964 feierte der MGV Riedlingsdorf sein 60 jähriges Bestandsjubiläum. Eigentlich war man schon ein Jahr zuvor 60 Jahre alt geworden, aber in diesem Jahr feierte der Pinkafelder Gesangsverein sein 100 jähriges Jubiläum und um nicht mit diesem zu kollidieren, verschob man die Feier kurzerhand um ein Jahr auf den 5.7.1964. Hier ein Auszug aus der Vereinsgeschichte über dieses Ereignis:
"Am 5.7.64 feierte der Männergesangsverein 'Eintracht'-Riedlingsdorf sein 60-jähriges Bestandsjubiläum.
19 Gastvereine gaben uns die Ehre um unser Fest verschönern zu helfen. Besonders erfreut waren wir über den Besuch aus der grünen Steiermark. Um 12.30 Uhr sammelte sich unser Verein im Gasthaus Tobias Lang, um mit der Stadtkapelle Oberwart durch den Ort zu marschieren und so einen gewissen 'Weckruf' zu inszenieren. Am nördlichen Ortseingang wurden dann alle Vereine durch Obmann Adolf Trattner herzlich willkommen geheißen.
Nach Empfang der Gäste wurde der Festzug zusammengestellt und um 14.30 Uhr zog eine Menschenmenge durch den Ort, was in dieser Hinsicht als einmalig zu bezeichnen ist. An der Spitze des Festzuges marschierten zahlreiche Ehrengäste, so u.a. Prof. Karl Gradwohl, Landesmusikmeister des Burgenländischen Sängerbundes, sowie Dir. Sattler, Dir. Mühl, Vorsitzender des Sängerkreises Oberwart und 2. Landeschormeister Dir. Karl Messner. Weiters Bürgermeister Zapfel samt allen Gemeinderäten.
Nach dem Festzug durch den Ort wurde das Festprogramm im Gasthaus Tobias Lang abgewickelt...
Prof. Karl Gradwohl überreicht Ehrenurkunden an folgende Sangesbrüder, welche sich im Verein bzw. überhaupt als Sänger große Verdienste erworben haben:
Obmann Adolf Trattner für 35 Jahre
Obmannstellvertreter Alexander Zapfel für 35 Jahre
Chorleiter Direktor Johann Huber für 40 Jahre
Kassier Julius Kuch für 36 Jahre
Sangesbruder Johann Mühl für 35 Jahre
Sangesbruder Samuel Zethofer für 35 Jahre
Zum Abschluß seiner Ausführungen bittet er die führenden Männer unseres Vereines in diesem Sinne weiter zu arbeiten, zumal der Männergesangsverein Riedlingsdorf zu den besten Männerchören des Burgenlandes zählt.
..."


Ansprache von Obmann Adolf Trattner


Ehrung für Chorleiter Dir. Huber

Der Oktober 1964 brachte dann noch als Draufgabe einen Liederabend an dem der MGV Sankt Gertraud aus Kärnten teilnahm. Im Juni 1965 stattete dann der MGV Riedlingsdorf seinen Freunden im Lavanttal einen Gegenbesuch ab. Über diesen Besuch ist ein Zeitungsartikel aus der 'Volkszeitung, der Tageszeitung für Kärnten und Osttirol' vom 11. August 1965 erhalten geblieben:
"Sängerbesuch in St. Gertraud, MGV 'Eintracht' Riedlingsdorf im Lavanttal.
Der MGV St. Gertraud gab kürzlich aus Anlass des Besuches des MGV 'Eintracht' aus Riedlingsdorf im Burgenland im großen Saal der Papierfabrik Frantschach einen Liederabend. Das Programm wurde von beiden Vereinen bestritten und war demnach auch sehr abwechslungsreich...
Sehr angenehm wirkte die fließende Abwicklung, weil beide Vereine ständig auf der Bühne blieben und abwechselnd sangen, wobei sie sich natürlich besonders um die Qualität des Gebotenen sehr bemühten... brachten die Gastsänger aus Riedlingsdorf eine Reihe anderer bekannter, vom Publikum gern gehörter Chöre und gefielen besonders mit dem 's war immer so', wofür sie mit Applaus reichlich bedankt wurden. Den Abschluß bildete der Gesamtchor 'Freiheit, die ich meine', welchen der Chorleiter des Gastvereines, Schuldirektor Huber, leitete...
Am frühen Nachmittag des nächsten Tages mußten die Gäste leider wieder die Heimfahrt antreten. Wie eng die Bande der Freundschaft geschlossen wurden, beweist, daß die Gäste aus dem Burgenland vom MGV St. Gertraud erst oben auf der Pack endgültig verabschiedet wurden. Man versprach sich auch fernerhin gute und herzliche Verbindung zu halten."

Nach so vielen Erfolgen muß man natürlich auch von Niederlagen berichten. Eine dieser von der schmerzhaften Sorte setzte es am 23.10.1966 auf dem Riedlingsdorfer Fußballplatz in der Schlagerpaarung gegen die Freiwillige Feuerwehr. Der Männergesangsverein verlor leider dieses prestigeträchtige Duell und mußte dem glorreichen Sieger ein Faß Bier stiften. Allerdings ist den Vereinsannalen zu entnehmen, daß dieser "Demütigung" noch einige frohe Stunden folgten und sich am Ende sowohl Sieger als auch Verlierer über diese gelungene Veranstaltung freuten. Womit bewiesen ist, daß der MGV Riedlingsdorf selbst in seinen schwersten Stunden immer Haltung bewahrt hat...

1967 - 1970

Im Mai 1967 besuchte der Landeshauptmann Theodor Kery die Ortschaft Riedlingsdorf. Im zu Ehren veranstaltete die Gemeinde ein Fest, an dem auch der MGV Riedlingsdorf teilnahm. Die Riedlingsdorfer Sänger begrüßten ihr Landesoberhaupt mit den Liedern "Gruß Gott, mein Herz, mein Bruderherz" und "Heimat mein Rebenland".

Genau ein Jahr später, im Mai 1968, brach im Verein eine Krise aus, als der langjährige Chorleiter Direktor Johann Huber sein Amt plötzlich "bis auf weiteres" niederlegte. Um den Verein singfähig zu erhalten, wurde von den Verantwortlichen Volksschuldirektor Josef Pahr angesprochen, der dann im Verein aushalf, bis sich die Wogen wieder geglättet hatten und der verdienstvolle Chorleiter Dir. Johann Huber wieder zum Weitermachen überredet werden konnte.

Das Jahr 1970 brachte dann wieder ein gesangliches Großereignis auf Riedlingsdorfer Boden als man das Kreissängerfest veranstaltete. Zahlreiche Ehrengäste und nicht weniger als 11 Gastvereine, darunter auch drei aus der Steiermark, nahmen daran teil. Der MGV Riedlingsdorf war für die gelungene Organisation dieser Veranstaltung verantwortlich. 
 

Im Wellental (1971 bis 1980)

1971 - 1973

Nach Jahren der Blüte brachten die Siebziger Jahre dem Verein große Veränderungen. Da viele dieser folgenschweren Änderungen nicht ganz freiwillig waren, war die Stimmung im Verein in diesen Jahren durch ein stürmisches Auf und Ab geprägt. 

Im Jahr 1971 unternahm der Verein mehrere Fahrten in die nördliche Landeshälfte, um einerseits 50 Jahre Burgenland und andererseits das 100-Jahrjubiläum des MGV Mörbisch zu feiern. Sehr zur Freude der Sängerschar kam dabei auch die Verkostung der guten burgenländischen Weine nie zu kurz. Der Verein nahm auch an der Eröffnungsfeier der neuen Volksschule in Riedlingsdorf teil, in der die jüngeren der heutigen Sänger des MGVs in den Folgejahren zur Schule gingen. 


Eröffnung der neuen Volksschule

1972 zogen die ersten grauen Wolken auf dem Sängerhimmel auf. Obmann Adolf Trattner stellte bei der Generalversammlung, nachdem er bereits ein Jahr zuvor krankheitsbedingt einige Zeit ausgefallen war, seine Funktion zur Verfügung, er konnte aber von den Sängern zum Weitermachen überredet werden. Die Aktivitäten des laufenden Jahres, wie zum Beispiel eine dreitägige Ausflugfahrt nach Jugoslawien, wurden nicht wie in früheren Jahren von allen Sängern hundertprozentig mitgetragen. Wenn man die Berichte des Chronisten Josef Weisz über diese Zeit liest, hat man das Gefühl, daß damals 'die Luft aus dem Verein draußen war'. Er selbst schreibt von 'einer nicht mehr überbietbaren Flaute', von fehlenden Impulsen, Überalterung und dem Fehlen von Nachwuchskräften, 'denn die Jugend bevorzugt eher Beat und Jazz'. 

Die letztgenannten Probleme sind auch der heutigen Vereinsführung des MGV nicht ganz unbekannt. 
In der Gemeinde Riedlingsdorf waren die Siebziger Jahre 'Gründerjahre'. Unter der Leitung von Bürgermeister Gustav Schranz, der 1955 dem MGV als unterstützendes Mitglied beigetreten war, wurden viele Infrastrukturprojekte verwirklicht, von denen die Bewohner noch heute profitieren. Eines dieser Projekte war 1973 die Errichtung des Evangelischen Gemeindezentrums bei dessen Eröffnung der MGV Riedlingsdorf teilnahm. Einen weiteren Höhepunkt in diesem Jahr brachte das Sängerfest in Oberwart, an dem mehr als 1.200 Sänger aus allen Bezirken teilnahmen.

1974 - 1977

1974 beging der MGV Riedlingsdorf sein 70-jähriges Bestandsjubiläum. Dieses Mal war die grassierende Maul- und Klauenseuche dafür verantwortlich, daß man das Fest erst ein Jahr verspätet feiern konnte. Neun Vereine mit über 300 Sängern trafen sich in Riedlingsdorf und bewegten sich im Festzug nach Platzkonzert und Kranzniederlegung zum Gasthaus Erich Huber. In der Zeitschrift 'Volk und Heimat' wurde dieses Ereignis mit folgendem Artikel gewürdigt:
"MGV 'Eintracht' Riedlingsdorf - 70 Jahre
Der verdiente Riedlingsdorfer Männergesangsverein beging am 30. Juni 1974 das Fest des 70-jährigen Bestandes. Der Jubelverein gedachte beim Kriegerdenkmal der verstorbenen Sangesbrüder. Obmann Adolf Trattner sprach Worte des Gedenkes und legte einen Kranz nieder.
Bei der Festfeier begrüßte Obmann Trattner die zahlreich erschienen Gäste, besonders Bundesobmann Reg. Rat Glavanits, Kreisobmann Dir. Mühl, Bürgermeister Schranz mit der Gemeindevertretung, Ehrenchormeister Dir. Toth sowie Fahnenmutter, Fahnenpatin, Ehren- und unterstützende Mitglieder. Der Obmann gab einen Rückblick über die Geschichte des Vereines, er stellte fest, daß es immer beherzte Männer gab, die in ihrer Liebe zum Gesang den Chor für die Zukunft erhalten haben.
Bürgermeister Schranz entbot die Glückwünsche der Gemeinde und dankte für die zahlreichen Mitwirkungen.
Reg.Rat Glavanits hielt die Festansprache und nahm mit Kreisobmann Mühl die Ehrung verdienter Sänger vor. Das Ehrenzeichen des Burgenländischen Sängerbundes erhielten in Silber: Obmann Adolf Trattner, in Bronze: Obmannstellvertreter Alexander Zapfel, Chorleiterstellvertreter Hans Hutter, Kassier Julius Kuch, Schriftführer Josef Weisz, Sangesbruder Johann Mühl und Sangesbruder Samuel Zethofer. Chorleiter Direktor Johann Huber, der auf eine verdienstvolle 50-jährige Sängertätigkeit zurückblicken kann, wurde bereits als Mitglied des Bundesvorstandes ausgezeichnet.
Besonderer Dank gilt den vier Mitgliedern des Jubilarvereines, die bereits 45 Jahre aktive Sänger sind: Die beiden Obmänner Trattner und Zapfel sowie die Sangesbrüder Mühl und Zethofer.
Das anschließende Gästesingen wurde vom Publikum begeistert aufgenommen. Die Landeshymne beschloß die würdige Jubelfeier."


Der MGV beim 70-jährigen Bestandsjubiläum

Ob es diese gelungene Jubelfeier der Grund dafür war, daß der Verein endlich seine Blutauffrischung erhielt, läßt sich nicht mehr genau feststellen, es traten aber im Jahr 1974 sechs Sänger ein, die dem Verein für längere Zeit die Treue hielten.

Das Jahr 1975 brachte dem Verein durch den Tod des ehemaligen langjährigen Schriftführer Tobias Schuh eine großen Verlust. Besonders erwähnenswert ist außerdem noch die Geburtstagsfeier des verdienstvollen Chorleiters Direktor Johann Huber, die auch in der Lokalpresse ihren Niederschlag fand.
"Riedlingsdorf: Direktor Huber 70 Jahre!
Der Chorleiter des MGV 'Riedlingsdorf' Riedlingsdorf VDir. i. R. Johann Huber, der auch Mitglied des Bundesvorstandes des Burgenländischen Sängerbundes ist, feierte am 30. April 1975 seinen 70 Geburtstag. Aus diesem Anlaß wurde dem sehr verdienstvollen Jubilar ein Ständchen dargebracht.
Unter Leitung von Chorleiterstellvertreter Hans Hutter brachte der Chor die Lieder 'Auf d'Roas bin i gangn' und 'Wie's daheim war' zu schönem Vortrag. Obmann Adolf Trattner überbrachte die besten Glückwünsche des Vereines und dankte Direktor Huber für seine aufopferungsvolle Arbeit als Chorleiter in 25 Jahren. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß der Jubilar noch viele Jahre in Gesundheit für seine Familie und für den Gesangsverein wirken könne. Als Zeichen der Verbundenheit überreichte der Obmann ein Ehrengeschenk.
Direktor Huber dankte gerührt für die Ehrung. Er hielt kurze Rückschau über seine Tätigkeit als Lehrer und Chorleiter und bat den lieben Gott, daß er ihm noch einige Jahre schenken möge, um weiterhin dem Gesange dienen zu können.
Im anschließenden geselligen Beisammensein wurde auf das Wohl des Jubilars manches Gläschen getrunken."

Die Jahreshauptversammlung 1976 brachte eine aufgrund der Vereinsstatuten notwendige Neuwahl, wobei der alte Vorstand für eine weitere fünfjährige Amtsperiode bestätigt wurde. In diesem Jahr wurde auch eine alte Schmach getilgt, der MGV konnte sich auf dem Fußball-'Schlachtfeld' mit 4:0 im prestigeträchtigen Duell mit der Freiwilligen Feuerwehr durchsetzen. Wie es sich für gute Kameraden gehört, wurde der Siegespreis, ein Faß Bier, gemeinsam und in bester Freundschaft geleert.
Im Verein wurde der nächste 70er gefeiert, nämlich jener von Obmann Adolf Trattner. Auch dieses Ereignis fand Erwähnung in der Lokalpresse:
"Adolf Trattner: 70
Riedlingsdorf - Der Obmann des Männergesangsverein 'Eintracht' Riedlingsdorf Adolf Trattner feierte seinen 70.Geburtstag. Ein Ständchen 'seines' Vereines war ihm die größte Ehre. Wie Obmannstellvertreter Alexander Zapfel in seiner Gratulationsrede erwähnte ist Adolf Trattner seit 47 Jahre Obmann des MGV 'Eintracht'. Durch viel Geschick und Toleranz half er dem Verein über manche Schwierigkeiten. Gleichzeitig überreichte Alexander Zapfel ein Ehrengeschenk, das Adolf Trattner gerührt entgegennahm. Der Jubilar versicherte auch weiterhin seine ganze Kraft dem MGV 'Eintracht' zu widmen."

Das Jahr 1977 begann mit einem großen Verlust für den Verein, denn der langjährige Obmannstellvertreter Alexander Zapfel verstarb im Jänner ganz unerwartet. Zu seinem Nachfolger wurde Günter Reusser gewählt und nachdem dieser sein Amt nach einem Jahr niederlegte, wurde Direktor Hans Hutter der neue Obmannstellvertreter. Erwähnenswert in diesem Jahr ist noch das Sommerfest des Vereines im Gasthaus Lang bei dem auch mehrere Gastvereine aus dem Bezirk teilgenommen haben. Bei diesem Fest ergoß sich eine wahre Flut an Auszeichnungen und Ehrungen über die langgedienten Sänger des MGV Riedlingsdorf. So erhielten nicht weniger als 17 Sänger das ÖSB-Abzeichen in Silber und die Ehrenurkunde des Burgenländischen Sängerbundes.

1978 - 1980

Für das Jahr 1978 hatte sich der langjährige Obmann Adolf Trattner zum Ziel gesetzt, den Verein erstmalig mit einer Uniform auszustatten. Seine Bemühungen um die einheitliche Bekleidung der Sänger blieben aber unvollendet, denn Obmann Trattner verstirbt nach kurzer, schwerer Krankheit am 22. Juni 1978. Schriftführer Josef Weisz widmete dem zweimaligen Vereinsgründer von 1929 und 1951 folgenden Nachruf:
"Obmann Adolf Trattner verstorben
Unser Verein hat einen sehr schweren Verlust erlitten, denn Obmann Adolf Trattner ist am 22. Juni 1978 verstorben.
Den Verein trifft dies um so härter, zumal der Verstorbene zur Wiederbelebung im Jahre 1929 als damals noch junger Obmann wesentlich beitrug und somit auch Mitbegründer war.
Aber auch im Jahre 1951, als es galt den Verein nach all den schweren Kriegsjahren wieder zu errichten, stellte er sich als Obmann wieder zur Verfügung, um mit sangesfreudigen Menschen diesen Kulturverein neu entstehen zu lassen.
Wenn man bedenkt, daß dieser Mann zeit seines Lebens fünf Jahrzehnte hindurch als Obmann bis zu seinem Tode gewirkt und den Verein mit viel Umsicht und Toleranz geführt hat, so kann man erst ermessen, was dem Männergesangsverein verlorengegangen ist...
In der Hoffnung, daß ihm Gott in sein Himmelreich aufnehmen möge, wollen wir uns von ihm für immer verabschieden und Dank sagen für all seine Treue, Opferbereitschaft und Kameradschaft im Verein.
Adolf Trattner ist nicht mehr, jedoch in unseren Herzen wird er weiterleben.
Riedlingsdorf am 24.6.1978"


Abschied von Obmann Trattner

Die Geschäfte des Obmannes übernahm nun für die nächsten Monate sein Stellvertreter Direktor Hans Hutter. Unter seiner Leitung wurde bis zum Jahresende die Uniformbeschaffung durchgeführt und die Sänger des MGV erhielten am Vorabend des Weihnachtsfestes die erste Uniform in der Vereinsgeschichte (dunkelgrünes Sakko und hellgraue Hose).

In der Jahreshauptversammlung 1979 wurde Direktor Hans Hutter offiziell zum neuen Obmann des MGV Riedlingsdorf gewählt. Zu seinem neuen Nachfolger als Obmannstellvertreter wurde Erich Huber bestimmt. Der Höhepunkt dieses Jahres war wiederum das Sängerfest bei dem die guten Kontakte zu den steirischen Chören wie Dechantskirchen oder Bad Walteresdorf aufgefrischt werden konnten. Neben drei sehr verdienstvollen Sängern erhielt der verstorbene Obmann Adolf Trattner bei diesem Fest posthum den Ehrenbrief des Österreichischen Sängerbundes verliehen. Im Dezember wurde nach vielen Jahren wieder ein 'Bunter Abend' veranstaltet, der von der Ortsbevölkerung sehr gut angenommen worden ist.

Das Jahr 1980 brachte für den Verein mit dem Tod des langjährigen Chorleiters Direktor Johann Huber einen weiteren schweren Verlust. Schriftführer Josef Weisz widmete Direktor Huber folgenden Nachruf:
"Direktor Huber Johann verstorben
Der Männergesangsverein 'Eintracht Riedlingsdorf' hat einen schweren Verlust erlitten, denn sein wohlverdienter und weitbekannter Chorleiter Dir.i.R. Johann Huber wurde am 2.September 1980 vom Irdischen nach seiner zweiten Herzattacke, welche er - auf Erholung in Kärnten - erlitt, abberufen und am 6.September 1980 im Ortsfriedhof beigesetzt.
Einen letzten Wunsch des Verstorbenen erfüllend sangen die Sangesbrüder in der Aufbewahrungshalle das Lied 'Feierabend' und trugen anschließend den Sarg mit der sterblichen Hülle unter Beteiligung einer großen Trauergemeinde zu Grabe...
Namens des Vereines sprach Obmann Dir. Hans Hutter ergreifende Worte und dankte für die aufopferungsvolle und mühevolle beinahe 30-jährige Chorleitertätigkeit, welche nicht immer leicht war, aber von Dir. Huber stets gemeistert wurde, zumal er sehr gute Führungsqualitäten und musikalische Tätigkeiten besaß. Durch seinen Beruf als Lehrer aber auch durch seine vorbildliche Kameradschaft wurde er zum Symbol im Verein und alle schätzten und liebten ihn sehr.
Während der Fahnenjunker die Fahne senkte, sangen die Sängerkameraden mit Tränen in den Augen das Lied 'Es winket selige Ruh' und zogen am offenen Grabe vorbei, um sich mit einem Blumengruß - einer weißen Nelke - von ihrem Chorleiter zu verabschieden.
Direktor Huber ist nicht mehr, im Verein wird er jedoch weiterleben und seine Sänger werden ihn nie vergessen."


Abschied von Chorleiter Dir. Huber

Direktor Hans Hutter, der seit vielen Jahren bereits die Funktion des Chorleiterstellvertreters innegehabt hatte, mußte nun zu seiner Obmanntätigkeit auch noch die Funktion des Chorleiters mitübernehmen.

Zu neuen Ufern (1981 bis 1990)

1981 - 1983

Die Umwälzungen an der Vereinsspitze Ende der Siebziger Jahre fanden auch am Beginn der Achtziger Jahre ihre Fortsetzung. Da die Doppelbelastung als Obmann und Chorleiter für Direktor Hans Hutter langfristig zu groß war, wurde bei der Generalversammlung 1981 Dr. Walter Reusser zum neuen Obmann des MGV Riedlingsdorf gewählt. Auch das Amt des Kassiers wurde mit Walter Zapfel neu besetzt, weil der langjährige Kassier Julius Kuch krankheitsbedingt den Verein verlassen mußte. Der Höhepunkt im ersten Obmannsjahr von Walter Reusser war sicherlich der Auftritt des MGV in der Radiosendung 'Bei uns daheim', die live aus dem Festzelt des ASKÖ Riedlingsdorf anläßlich dessen 50-jährigen Bestandsjubiläums gesendet wurde. 

Wie nah Freud und Leid im Vereinsleben beieinanderliegen zeigte das Jahr 1982. Das Jahr begann und endete jeweils mit einem Todesfall im Verein. So verstarb im Jänner vollkommen überraschend Dkfm. Horst Huber, der Sohn des ehemaligen Chorleiters Huber, und im November nach schwerer Krankheit der langjährige Sänger Adolf Ziermann. In den Monaten zwischen diesen traurigen Ereignissen lachte für den Verein aber auch die Sonne, denn nach langer Zeit traten mit Dieter Schützenhofer und Kurt Szendi wieder aktive Sänger vor den Traualtar. Neben diesen positiven und negativen Ereignissen brachte das Jahr noch eine Ausfahrt zum Plattensee, ein Sommerfest und einen 'Bunten Abend'.

Der vorläufige Höhepunkt des Jahres 1983 war das 80-jährige Vereinsjubiläum, das mit einem großen Sängerfest gefeiert wurde, zu dem 13 Gastvereine eingeladen wurden. Wie den Vereinsannalen zu entnehmen ist, hatte der Wettergott leider keine Lust zum Mitfeiern. Das Jahr endete dann noch mit einem Paukenschlag, als der Chorleiter Direktor Hans Hutter völlig überraschend seinen Rücktritt bekanntgab. Mit Direktor Hans Hutter verlor der MGV einen seiner wertvollsten und engagiertesten Mitstreiter, der in seiner mehr als 32-jährigen Vereinszugehörigkeit alle wichtigen Ämter wie Obmann, Obmannstellvertreter, Chorleiter, Chorleiterstellvertreter und Schriftführer innehatte.


Erinnerungsfoto vom 80-jährigen Jubiläum

1984 - 1987

Daß der Rücktritt von Direktor Hans Hutter keine Vereinskrise auslöste, war vorallem der Tatsache zu verdanken, daß in der Person von Wilfried Salber rasch Ersatz gefunden wurde. Der gebürtige Rechnitzer übernahm mit Jahresbeginn 1984 die Funktionen des Chorleiters und des Obmannstellvertreters. 
 


Obmann Walter Reusser
(Foto von 2003)

Chorleiter Wilfried Salber
(Foto von 2003)

Kassier Walter Zapfel
(Foto von 2003)

Höhepunkt dieses Jahres war eine Fahrt nach Krumpendorf am Wörthersee, wo man zusammen mit der örtlichen Singgemeinschaft einen Liederabend gestaltete. Dieses Ereigniss fand in der Lokalpresse folgenden Niederschlag:
"Unter der Leitung von Obmann Hofrat Dr. Walter Reusser und Chorleiter Mag. Wilfried Salber fuhr der Männergesangsverein Riedlingsdorf vom 20. bis 22. Juli nach Krumpendorf am Wörther See zur dortigen Singgemeinschaft.
Gleich am Abend fand das erste Zusammentreffen statt. Für die Burgenländer war es ein Hochgenuß, den Freunden aus Krumpendorf beim Singen zuzuhören. Aber auch die durch Chorleiter Mag. WIlfried Salber einstudierten und von den Riedlingsdorfern vorgetragenen Lieder kamen gut an.
Der zweite Tag wurde für einen Ausflug rund um den Wörther See benutzt. Als ausgezeichneter Reiseleiter stellte sich freundlicherweise Prof. Anton Feucht zur Verfügung. Beim 'Anna-Kirtag', veranstaltet von der Singgemeinschaft, trat der Männergesangsverein Riedlingsdorf während der Tanzpausen auf und erntete für das Dargebotene von den in- und ausländischen Gästen viel Applaus."

Nach langer Zeit gab es im Jahre 1985 wieder einen Sängerball, der gut besucht war und auch den Vereinskassier zufriedenstellte. In dieser Tonart ging es auch weiter, so nahm der MGV unter anderem beim Kreissängerfest in Oberschützen, bei der Einweihung des neuen Riedlingsdorfer Gasthauses 'Lärchenhof' und beim großen Fest des ASKÖ Riedlingsdorf auf dem Sportplatz teil. Bei letzterem konnte der Männergesangsverein wieder burgenlandweit in der Radiosendung 'Bei uns daheim' gehört werden. Neben diesen freudigen Ereignissen brachte das Jahr mit dem Tod des Ehrenchorleiters Ludwig Toth und des Ehrenmitgliedes Karl Hazivar auch wieder recht traurige Momente.

In der Jahreshauptversammlung des Jahres 1986 wurden einige Veränderungen in der Vereinsspitze vorgenommen, so übernahm Günter Reusser wieder sein Amt des Obmannstellvertreters und Tibor Miertl wurde als Organisationsleiter eingesetzt. Mit Johann Schaden trat im Februar eines der letzten Gründungsmitglieder von 1951 in den Ruhestand. Die jährliche Reise führte den MGV dieses Mal nach St.Johann in Tirol. In Riedlingsdorf selbst tat sich der Verein in diesem Jahr als Veranstalter eines Sommernachtsfestes und eines 'Bunten Abends' hervor.

Das Jahr 1987 brachte viele Auftritte bei freudigen oder weniger erfreulichen Anlässen. Der Erntedankumzug, bei dem auch der MGV mitgewirkt hat, ist vielen Sängern von diesem Jahr in Erinnerung geblieben. 

In den letzten 10 Jahren waren viele Sänger dem Verein beigetreten, manche blieben nur ein paar Monate, andere wiederum wenige Jahre. Bis heute sind dem Verein mit Dieter Schützenhofer, Hans Lang, Peter Piff, Bernhard Bruckner, Wilfried Salber und Thomas Zapfel leider nur sechs von diesen vielen Hoffnungen erhalten geblieben. 

1988 - 1990

Gleich im Jänner des neuen Jahres unternahm der MGV eine Fahrt zum ORF-Landesstudio in Eisenstadt um acht Lieder aufzunehmen. Mit Bernhard Bruckner und Willi Schuh wagten es wieder zwei Sänger in den Hafen der Ehe einzulaufen. Für ihre Sangesbrüder war es natürlich eine Ehre, die jeweiligen Trauungen mitzugestalten. Gegen Jahresende wurde erstmals der Versuch gewagt, ein Adventsingen beim Kriegerdenkmal abzuhalten. Einen Tag vor Weihnachten nahm der Gesangsverein dann noch am Begräbnis seiner Fahnenpatin Frau Maria Stukits teil.

Auch das Jahr 1989 brachte mit dem Tod des langjährigen Kassiers Julius Kuch ein sehr trauriges Ereignis. Die Reisetätigkeit führte den MGV in diesem Jahre einige Male zu befreundeten Vereinen in die Steiermark. Bemerkenswert in diesem Jahr war sicherlich der Abschied von Samuel Zethofer, der zwei Mal mitgeholfen hatte, den Verein 1929 und 1951 zu gründen und somit auf 60 Jahre aktive Mitgliedschaft zurückblicken konnte. Der Brief, den Samuel Zethofer damals an seine Sangesbrüder geschrieben hat, ist hier auszugsweise wiedergegeben, da er viel über das 'Innenleben' eines treuen Sängers verrät:
"Sehr geehrter Herr Obmann! Sehr geehrter Herr Chorleiter! Liebe Sangesbrüder!
Wie überall im Leben, so ist auch an mir die Zeit nicht stehen geblieben. Ich bin gestern 78 Jahre alt geworden...
Im übrigen ist es fast auf den Tag genau 60 Jahre her, daß ich dem MGV Eintracht in Riedlingsdorf als ausübendes Mitglied angehöre. Während dieser Zeit habe ich alle Höhen und Tiefen des Vereines miterlebt, rund 100 Sangesbrüder kennengelernt - es waren durchwegs anständige Männer, denn böse Menschen haben keine Lieder und schließlich hatten 10 Chorleiter Mühe, uns Singen beizubringen...
Rückblickend muß ich sagen, es waren einfach schöne Zeiten, die ich im und mit dem MGV verbracht habe, vor allem wenn es galt sich für eine Festlichkeit zu rüsten oder wenn wir einem Sangesbruder ein Hochzeitsständchen oder aus einem anderen Anlaß unsere Lieder dargebracht haben. Heißt es doch in einem Spruch 'Herrliche Zeiten nicht weinen weil sie vergangen, sondern danken, daß sie gewesen sind.' So will auch ich dankbar sein, für alle schönen und gemütlichen Stunden, die ich im Kreise der Sangesbrüder verbringen durfte.
Freilich mangelte es auch nicht an ernsten, ja sogar traurigen Stunden. Haben wir doch etlichen ausübenden Mitgliedern ins Grab nachschauen müssen. Um nur einige Persönlichkeiten zu nennen, es waren dies der langjährige Obmann Adolf Trattner, dessen Stellvertreter Alexander Zapfel und der ebenfalls jahrzehntelange Chorleiter Dir. Hans Huber. Einer noch größeren Anzahl von Ehren- und unterstützenden Mitgliedern haben wir das letzte Geleit in den Friedhof gegeben.
So wechselten sich Freud und Leid gegenseitig ab und dabei ist die Zeit vergangen, ob sie nun schön oder schlecht war, jedenfalls wird mir dies alles stets in Erinnerung bleiben...
Euer Samuel Zethofer" 
Mit Samuel Zethofer hatte wahrlich ein großartiger Sänger und Mensch den Verein verlassen.

So wie dem obigen Brief zu entnehmen ist, hatte auch das nächste Jahr (1990) dem Verein wieder Freud und Leid bereitet. Absoluter positiver Höhepunkt dieses Jahres waren die Internationalen Chortage in Prag, an denen zahlreiche Vereine aus vielen europäischen Ländern teilnahmen. Dem MGV Riedlingsdorf gelang es dabei in der Kategorie 'Kleinerer Männerchöre' unter 11 Vereinen den ausgezeichneten 3. Platz und somit Bronze zu erreichen. Dieser Erfolg wurde vor den Augen des mitgereisten Bürgermeisters und späteren Nationalratsabgeordneten Ing. Erwin Kaipel erreicht. Erwähnenswert auch die Weihe der restaurierten Vereinsfahne aus dem Jahre 1953, die in einer speziellen Feier im Gasthaus 'Lärchenhof' unter großer Anteilnahme der Ortsbevölkerung geweiht wurde. Leider hatte der Verein mit dem Ableben von Adolf Mühl, einem der letzten aktiven 1951er, wieder einen großen Verlust zu verzeichnen.

Schwierigen Zeiten entgegen (1991 bis 2000)

1991 - 1993

Das Jahr 1991 brachte ein reichhaltiges Besuchsprogramm, das den Verein vorallem in die Steiermark und in die nähere Umgebung des Heimatortes führte. In diesem Jahr feierte die Ortschaft Riedlingsdorf ihr 660-jähriges Jubiläum mit einem großen Umzug. Dabei wurde von der Ortsbevölkerung ein 660 Meter langer Zwiebelzopf geknüpft und von zahlreichen Menschen durch den Ort getragen. Die Sänger des MGV Riedlingsdorf halfen dabei natürlich ebenfalls tatkräftig mit und traten später auf dem Festgelände in einer ORF-Radiosendung auf. In diesem Jahr feierte mit Johann Mühl ein weiterer bemerkenswerter Sänger des MGV Riedlingsdorf seinen 80. Geburtstag. Er nahm seinen Geburtstag zum Anlaß in den wohlverdienten Sängerruhestand zu treten. Johann Mühl, der als Mann der ersten Stunde bei den Vereinsgründungen von 1929 und 1951 dabei war, hat mit seiner 62 (!!!) Jahre dauernden aktiven Zugehörigkeit zum MGV wohl einen Vereinsrekord für die Ewigkeit aufgestellt. 
 


Samuel Zethofer

Johann Mühl bei seinem 80. Geburtstag 

Auch im Jahr 1992 blieb der Verein nicht von Sterbefällen verschont. Im April starb der langjährige Sänger und Fahnenpatron Adolf Huber. Der erfolgreiche Riedlingsdorfer Unternehmer war Zeit seines Lebens eng mit dem Männergesangsverein verbunden. Diese Verbundenheit zeigte sich auch einige Wochen später als der Verein die Eröffnung  des neuen Betriebsgebäudes der Firma Huber Warenhandel und Transport Ges.m.b.H in Ebergassing-Wienerherberg mitgestalten durfte. Der Kontakt zwischen der Firma Huber und dem MGV ist mit dem Tod des Firmengründers nicht abgerissen, da sein Sohn Adolf die Fahnenpatenschaft von seinem Vater übernommen hat und bis in unsere Tage unserem Verein freundschaftlich verbunden ist.
Absoluter künstlerischer Höhepunkt des Jahres war die Teilnahme an den internationalen Chortage in Verona. Der Auftritt in der Arena di Verona erfolgte in der neuen Uniform, die einige Monate vorher angeschaft worden war. Das Wertungssingen war leider aufgrund der großen internationalen Konkurrenz nicht so erfolgreich, wie einige Jahre zuvor in Prag. Die mitgereisten Sänger und deren Angehörigen erlebten dafür aber einige wunderschöne Tage in Verona, in Venedig und am Gardasee, sodaß sich die Reise nach Italien als sehr positives Ereignis in der Erinnerung gehalten hat.


Der MGV mit neuer Uniform in Verona

Da 1993 Günter Reusser aus dem Verein austrat, wurde Dieter Schützenhofer zum neuen Obmannstellvertreter gewählt. Wieder waren 10 Jahre in das Land gezogen und es war Zeit für ein Vereinsjubiläum. Den 90. Geburtstag des MGV feierte man mit einem großen Vereinstreffen, zu dem nicht weniger als 23 Vereine aus vier Bundesländer kamen. Der Festzug setzte sich dann aus fast 700 Sängern zusammen, die zum 'Lärchenhof' marschierten und dort das Gästesingen abhielten.
Neben zahlreichen Ausfahrten zu befreundeten Vereinen in der näheren und ferneren Umgebung wurde in diesem Jahr auch der 60. Geburtstag des Obmannes Walter Reusser mit einem Überraschungsständchen gefeiert. 

1994 - 1997

In der Jahreshauptversammlung von 1994 wurden alle Funktionäre in ihren Ämtern bestätigt. Im März mußte der Verein mit Ludwig Varga wieder einen verdienstvollen Sangesbruder zu Grabe tragen. Mit ihm starb ein Sänger, der nicht nur mehr als 40 Jahre treu zum Verein gestanden war, sondern der auch als der wohl beste 1. Tenor des MGV Riedlingsdorf der Nachkriegszeit galt. 
Die große Ausfahrt in diesem Jahr führte den Verein nach Deutschland zum 1. Fünf-Seen-Land-Fest nach Mammendorf/Bayern.

Noch viel weiter ging die Reise des Jahres 1995. Man nahm Anfang Jänner beim Neujahrssingen in Paris teil. Diese wunderschöne Weltstadt bezauberte mit ihrem Charme die mitgereisten Sänger und deren Angehörige. Bei der bald darauf stattfindeten Jahreshauptversammlung erklärte Chorleiter Wilfried Salber, daß er mit Jahresende in das 2.Glied zurücktreten wolle. Zum Glück besaß und besitzt der MGV einen Mann wie Sangesbruder Bernhard Bruckner, der Gott und die Welt kennt, sodaß mit seiner Hilfe nur einige Wochen später mit Diethard Konrad ein würdiger Ersatz gefunden werden konnte. Für den MGV Riedlingsdorf trat nun der glückliche Umstand ein, daß er mit Diethard Konrad und Wilfried Salber zwei vollwertige Chorleiter besaß, die aufgrund ihrer Persönlichkeit auch ohne Probleme miteinander arbeiten konnten. 
Das Jahr 1995 brachte auch das erste Riedlingsdorfer Dorffest, das von nun an immer im Zwei-Jahresabstand stets mit großen Erfolg abgehalten wurde. 


Der neue Chorleiter Diethard Konrad (links) und Ernst Feldner (rechts) werden angelobt

Wie gut die Kameradschaft unter den Sängern war und ist, bewies auch die Tatsache, daß der langjährige Schriftführer und Chronist des MGV, Josef 'Pepi' Weisz, an seinem letzten Arbeitstag in der Landesberufschule in Pinkafeld von seinen Sangesbrüdern mit einem überraschenden Ständchen an seinem Arbeitsplatz in die Pension verabschiedet wurde.
Auch das Jahr 1995 hatte mit dem plötzlichen Tod von Johann Tunkl für den MGV noch eine böse Überraschung parat. Der Hans war seit dem Gründungsjahr 1951 im Verein und neben seiner Treue auch für seinen Humor und seinem Hang zum Schabernack über die Grenzen der Vereines und der Ortschaft hinaus bekannt. 

Das Jahr 1996 brachte aus der Sicht des Vereinschronisten relativ wenig Spektakuläres. Zwar wurde wie jedes Jahr ein sehr reges Besuchsprogramm absolviert, Schicksalsschläge wie in den Jahren zuvor blieben dem Verein zum Glück erspart.

Spektakuläres gibt es hingegen wieder vom nächsten Vereinsjahr zu berichten. Im April 1997 nahm der MGV Riedlingsdorf an den 6. Internationalen Chortagen in Budapest teil. In der Gruppe B2/Schwierigkeitsgrad II konnte mit 57,13 Punkten das Bronzene Diplom errungen werden. Darüber hinaus war natürlich das Rahmenprogramm für alle Mitgereisten ein großes Erlebnis. Wie schon Jahre zuvor in Prag war auch bei diesem Erfolg der Riedlingsdorfer Sänger der Bürgermeister und Nationalrat Erwin Kaipel mitgereist.
Niemand Geringerer als Landeshauptmann Stix war im Mai der Hauptredner bei der alljährlichen Muttertagsfeier der SPÖ Frauen in Riedlingsdorf, bei welcher der MGV traditionsgemäß schon seit Jahren teilnimmt. 
Ein weiterer Höhepunkt 1997 war das Chorkonzert im 'Lärchenhof' bei dem das 'Riedlingsdorfer Heimatlied' uraufgeführt wurde, das von Obmann Walter Reusser getextet und von Johann Simon Kreuzpointner vertont ist. 
Auch das Jahresende brachte noch viel Arbeit für den Verein, da nicht weniger als drei Adventveranstaltungen zu absolvieren waren. Erstmals wurde vom MGV am Silvester der sogenannte 'Jahresausklang vor dem Gemeindeamt' veranstaltet. Bei diesem nun schon traditionellen Beisammensein kann man sich in gemütlicher Runde die Grundlage für eine rauschende Silvesernacht holen. Die Einnahmen aus dieser Veranstaltung wurden vom neuen Kassier des MGV, Hans Lang, entgegengenommen, der in dieser Funktion Walter Zapfel zu Jahresbeginn abgelöst hatte. 

1998 - 2000

Im Jahre 1998 wurde wieder ein Chorkonzert im 'Lärchenhof' abgehalten, das rege Anteilnahme in der Ortsbevölkerung fand. Erwähnenswert ist auch der Auftritt im Rahmen des Festgottesdienstes anläßlich '25 Jahre Evangelisches Gemeindezentrum Riedlingsdorf' bei dem Superindententin Gertraud Knoll die Festpredigt hielt. Höhepunkte am Jahresende bildeten wieder das Adventsingen und der Jahresausklang vor dem Gemeindezentrum.

Das Jahr 1999 brachte mit dem Tod von Ehrenmitglied Samuel Zethofer wieder einen Schicksalsschlag für den Verein. Während das nun schon übliche Chorkonzert und das Adventsingen zur vollsten Zufriedenheit aller Beteiligten absolviert wurden, mißglückten die Ausfahrten nach Dechantskirchen und vorallem die nach Müllendorf vollends. Schuld daran waren Meinungsunterschiede zwischen den Sängern und im Fall Müllendof vorallem Disziplinlosigkeiten. Besonders tragisch für den Verein war jedoch die Tatsache, daß in diesem Jahr nicht weniger als sieben Sänger den Verein verließen. Die Anzahl der aktiven Mitglieder fiel damit auf 20, dies bedeutete zumindest für die Zeit nach dem Krieg den tiefsten Mitgliederstand.

Im Jahre 2000 wurden mit Tibor Miertl und Johann Zapfel zwei verdienstvolle Sänger zu Ehrenmitglieder ernannt. Das Jahr brachte ferner einige Änderungen im Vereinsvorstand, so wurde Peter Piff neuer Obmannstellvertreter und Andreas Zapfel neuer Schriftführerstellvertreter. In den darauffolgenden Monaten wurde wieder intensiv das dörfliche Leben mitgestaltet. Erstmalig wurde auch ein Stimmbildungsseminar besucht und nicht unerwähnt soll bleiben, daß der MGV im Juli 2000 mit seiner neuen Homepage 'online' ging. Nicht zufrieden konnte man mit der Tatsache sein, daß erstmalig seit der Vereinsgründung von 1951 aus künstlerischen Gründen das Adventsingen abgesagt werden mußte.


 
Beginn des 2. Vereinsjahrhundert (2001 bis 2010)

2001 - 2003

Das Jahr 2001 begann mit einem Paukenschlag, da in der Jahreshauptversammlung der bisherige Obmann Hofrat Dr. Walter Reusser seine Funktion als Obmann zur Verfügung stellte. Als sein Nachfolger wurde sein bisheriger Stellvertreter Peter Piff gewählt. Walter Reusser wurde für seine mehr als 20-jährige Obmanntätigkeit zum Ehrenobmann ernannt. Mit Josef 'Pepi' Weisz schied ein weiterer verdienstvoller Funktionär aus seinem Amt. Er hatte in den letzten 38 (!!) Jahren das Amt des Schriftführers mit großer Disziplin und Freude ausgefüllt und es ist daher vorallem sein Verdienst, daß diese Vereinsgeschichte überhaupt geschrieben werden konnte. Als sein Nachfolger wurde Andreas Zapfel ernannt. Die Hauptaufgaben für die neue Vereinsführung waren das große Jubiläum im Jahre 2003 zu organisieren und langfristig neue Sänger in den Verein zu holen.


Obmann Peter Piff

Schriftführer Josef Weisz

Schriftführer Andreas Zapfel

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Für den Inhalt verantwortlich: Heinz Bundschuh