Der 'Holzknechtseppl'

Die Geschichte des Räuberhauptmannes Nikolaus Schmiedhofer

Als ich noch ein kleiner Junge war, hat mir mein Großvater (Geburtsjahrgang 1894) immer Geschichten vom 'Holzknechtseppl' erzählt. Diese zum Teil sehr grauslichen Geschichten sind dann über die Jahre in Vergessenheit geraten. Erst als ich in letzter Zeit zwei Berichte über den 'Holzknechtseppl' gelesen haben, konnte ich mich wieder an sie erinnern, so als ob sie der Opa gestern erzählt hätte. Da sich ähnliche Überlieferungen vermutlich in vielen Familien in unserer Gegend erhalten haben, möchte ich auf dieser Seite die Geschichte des Holzknechtseppls erzählen.

Die nachfolgenden Aussagen stützen sich auf den Bericht 'Aus dem Leben eines Räuberhauptmannes' von Johann Anton Laschober und Anna Maria Laschober, erschienen in der Stadtgeschichte der Gemeinde Edlitz.

Die Geschichte vom Räuberhauptmann 'Holzknechtseppl' ist eine sehr blutrünstige und hat nichts mit Räuberromantik oder Robin Hood Legenden zu tun. Nikolaus Schmidhofer (1794 bis 1828) alias 'Holzknechtseppl' alias 'Schelmnickl' war ein irrer Mörder, der vor keiner Grausamkeit zurückschreckte. So sagte man von ihm, daß er glaubte, daß er durch den Verzehr von neun Kinderherzen unsichtbar werden würde. Als man ihn anklagte, gab er an, daß ihm von dieser Zahl nur noch eines gefehlt hatte. 

Geboren wurde Nikolaus Schmiedhofer am 6. Dezember 1794 in der Vorderen Tyrnau 55, Pfarre Flatnitz an der Teichalm (und nicht in Edlitz, wie andere Berichte besagen). Aus der Pfarrchronik geht hervor, daß er bereits als Kind Freude am Quälen von Tieren hatte. Aus desolaten Familienverhältnissen stammend kam er später zu Pflegeeltern, die ihn zu einem rechtschaffenen jungen Mann erzogen. Auf die schiefe Bahn geriet er als er nach dem Tod seiner Ziehmutter auf einen Viehmarkt geschickt wurde, um eine Kuh zu kaufen. Er verspielte das Geld in einem Gasthaus in Mönichkirchen. In seiner Not folgte er dem schlechten Rat seiner Saufkumpane und stahl eine Kuh. Die Kuh lieferte er noch zuhause ab, doch sogleich verließ er den Hof und trieb sich fortan als Dieb in den Waldungen von Niederösterreich, Steiermark und Burgenland umher. 

Im Februar 1822 gründete er die Räuberbande der 'Stradafüßler', die für eine Reihe von Verbrechen und sadistischen Vergehen im Grenzland zwischen Österreich und Ungarn verantwortlich zeichnete. Der Wahlspruch der Bande hieß: "Wen die Arbeit nicht freut und wer den Galgen nicht scheut, der soll zum Holzknechtseppl gehn, der braucht auch seine Leut". Die Bande wuchs im Laufe der Jahre auf über 50 Spießgesellen., Hehler und Mittelsmänner an, wobei sich der harte Kern aus folgenden Personen zusammensetzte:
*  Josef Koller, genannt 'Geheimrat' oder 'Kollerl', geboren in Althodis bei Rechnitz
*  Georg Richter, genannt 'Guckkasten' oder 'Goldhaube' gebürtiger Bayer
*  Joseph Michael Freyberger, genannt 'gekrauster Seppl', geboren in Pertlstein bei Fehring
*  Johann Niesner, genannt 'Fleischhacker Hans', aus Neufang bei Olmütz in Mähren
Besonders der 'gekrauste Seppl' und der 'Fleischhacker Hans' waren sehr grausam und richteten ihre Opfer oft fürchterlich zu. 

Hier einige Beispiele für die Grausamkeiten der Stradafüßler, die sich vermutlich in vielen mündlichen Überlieferungen in unserer Gegend erhalten haben (die meisten wurden mir damals von meinem Großvater erzählt):
*  In der Hochneunkirchner Gegend soll ein Bauer seine Magd um Schusternägel geschickt haben. Sie fiel dem Holzknechtseppl in die Hände und da sie nur Nägel anstatt Geld bei sich hatte, nagelte er ihr Hinterteil mit Schuhnägel voll.
*  An einem heute unbekannten Ort in der Steiermark wurde ein Mädchen gefunden, das mit den Füßen an einen Ast gebunden und mit dem Kopf in einen Ameisenhaufen gesteckt worden war.
*  In Kirchschlagl wurde ein Bauer, der Ochsen verkauft hatte, in seinem Haus überfallen. Da er das Versteck des Geldes nicht verraten wollte, hängten sie ihn mit dem Kopf nach unten auf einen Balken und zündeten unter seinem Kopf ein Feuer an. Als endlich Hilfe herbei eilte, flohen die Räuber ohne Beute. Der Bauer erholte sich nie mehr von der Marter und starb zwei Jahre später.
*  Ein besonderes Vergnügen war es für den Holzknechtseppl Glaserer, die damals von Dorf zu Dorf mit ihrer Ware zogen, zu ermorden. Er ließ sie in ihrer Todesangst samt ihrem Tragekorb voll Glas auf einen hohen Baum klettern. Wenn sie mit ihrer schweren Last den Baumgipfel erklommen hatten, schoß er sie einfach herunter. Bei seiner Verurteilung meinte er, daß das Klirren des berstenden Glases ihm gefallen habe. So wurde in der Gegend von Schmiedrait ein Glaserer vom Baum geschossen, weiters werden ihm die Morde an Glaserern in Pinggau, in Kaltenberg und auf der heimatlichen Teichalm zugeschrieben.
*  Eines Tages überfiel die Bande eine Bäuerin auf ihrem Hof, als sie gerade einen Schöberlteig zubereitete. Da sie das Geldversteck nicht verraten wollte, tauchten die Männer die Hände der Bäuerin in den Teig und anschließend in das heiße Fett. Die Frau überlebte zwar, doch auch sie starb vorzeitig an den Folgen dieser Tortur. Der Holzknechtseppl erinnerte sich noch Jahre später bei seiner Verurteilung voll Freude an dieses Erlebnis. 
*  Es wurde auch erzählt, daß die Bande beim Kegelscheiben statt der üblichen Holzkugel Totenschädel verwendete. 
*  Besonders niederträchtig war die Ermordung kleiner Kinder. Wie eingangs erwähnt glaubte der Holzknechtseppl, daß er mit dem Luzifer ein Bündnis eingehen kann, wenn er neun Kinderherzen esse. Er erklärte bei der Gerichtsverhandlung, daß ihm noch eines gefehlt hätte.
*  Auch in seiner heimatlichen Gegend auf der Teichalm wütete der Holzknechtseppl mit seiner Bande. So wurde bei einem Raubüberfall eine ganze Familie mit zwei Kindern ausgelöscht.
*  Eine weitere Familie mit zwei Kindern ist im Mai 1826 in Trattenbach dem Holzknechtseppl zum Opfer gefallen, als die Bande nach der Ermordung der Bewohner auch noch das Haus anzündete. 

Neben diesen unglaublichen Gräueltaten gibt es auch immer wieder Überlieferungen, in denen erzählt wird, daß die Räuber Menschen verschonten. Je nach Laune des Holzknechtseppls konnten die Menschen friedlich ihres Weges ziehen oder sie wurden fürchterlich mißhandelt. 

Die Bande hatte in unserer Gegend mehrere Unterschlupfe. Zum einen das Oberschützener Waldwirtshaus (bei der heutigen Sixtina), beim Unterschützener Waldwirtshaus Simon (das einmal bei der Abzweigung von der Bundesstraße nach Oberwart in Richtung Unterschützen gestanden ist) und in einem Gasthaus in Rotenturm. Zu diesen Schlupfwinkel auf der ungarischen Seite kamen noch Stützpunkte auf österreichischem Gebiet, wie das Wirtshaus in Mönichkirchen, wo der Holzknechtseppl seinerzeit seine Kuh verspielt hatte, und ein Gasthaus in Schäffern. 

In der Geschichte des Holzknechtseppls tauchen auch Episoden auf, in denen Riedlingsdorf eine Rolle spielt. 
*  So übernachtete er einmal bei Familie Johann Lang (dem Ururgroßvater von Theresia Zethofer geb. 1916) in Riedlingsdorf Hausnummer 34. Die Tochter von Johann Lang war damals acht Jahre alt und war in dieser Nacht besonders schlimm. Am nächsten Morgen erklärte der Holzknechtseppl den Bauersleuten, daß ihr dieses Verhalten das Leben gerettet hatte. Denn hätte sie Ruhe gegeben, dann wäre sie von ihm umgebracht worden.
*  Schließlich wurde dem Holzknechtseppl die Riedlingsdorfer Mäher zum Verhängnis, die seinen Aufenthalt im Unterschützener Waldwirtshaus an die Soldaten verrieten, die ihn daraufhin gefangennahmen.

Der Holzknechtseppl wurde zur Weihnachtszeit in Sparbaregg von Bauern aus Schaueregg gefangengenommen, nachdem er zuvor in Schaueregg einen Bauernhof überfallen hatte. Er wurde nach Schloß Pernegg in der Steiermark überstellt und dort vor Gericht gestellt. Während der Verhandlung gelang ihm aber die Flucht, indem er aus einem offenen Fenster auf einen Baum sprang und von dort die sichere Erde erreichte. Laut dem Historiker Fritz Byloff wurde der Holzknechtseppl auch in Oberkindberg inhaftiert worden sein. Auch dort ist ihm die Flucht gelungen.

Da die Bande immer frecher und grausamer agierte wurde auf Anordnung von Kaiser Franz II am 23. Jänner 1827 eine Kommission eingesetzt, die sich mit der Untersuchung der Vorfälle und der Ausrottung der Räuber beschäftigen sollte. Die Kommission trat in Schloß Pinkafeld zusammen und man beschloß, das komplette Gebiet mit Soldaten zu umstellen, um dann konzentrisch auf Pinkafeld vorzurücken. Bereits am 12. März 1827 hatten die Soldaten Erfolg. Riedlingsdorfer Mäher sahen an diesem Tag den Holzknechtseppl, seine beiden Unterführer, den 'gekrausten Seppl' und den 'Fleischhacker-Hansl', sowie 10 weitere Spießgesellen in Richtung Unterschützener Waldwirtshaus ziehen. Die alarmierten Soldaten konnten daraufhin die Bande festnehmen. 

Die Banditen wurden in Pinkafeld festgesetzt und verhört. Die Verhandlung zog sich in die Länge und der Holzknechtseppl hatte in der Zwischenzeit dem Zigeuner, der ihnen immer das Essen brachte, 700 Gulden versprochen, wenn er ihnen zwei Taschenfeitl brachte. Mit diesen Messern sägten sie vierzehn Tage lang an den Eisenringen an ihren Händen und Füßen. Ihr lautes Treiben tarnten sie durch Singen des Rosenkranzes. Am Donnerstag, dem 31. Mai 1827, nach Mitternacht überrumpelten sie die Wache. Auf ihrer Flucht ermordeten sie noch zwei Menschen. Den wachhabenden Korporal und den Siebmachermeister Andreas Hutter, der sie beim evangelischen Bethaus aufhalten wollte.
Am nächsten Tag wurde in Pinkafeld der nachfolgende Steckbrief erlassen:
 

Kundmachung

Nachdem von denen in der Nacht auf den 31ten Mai 1827 um halb 1 Uhr, sieben in dem Pinkafelder Gefängnisse eingekerkerten Räuber, den auf der Wache beordeten k.k.Korporalen und auf der Gasse einen Pinkafelder Bürger Tod geschossen und mehrere k.k.Soldaten, wie auch einen Pinkafelder Bewohner verwundet, und somit sich aus dem Gefängnisse befreiet hatten, die vier unten Beschriebene, und von mehreren Mord und Raubtaten überwiesene Bösewichter noch nicht eingebracht worden sind, so wird allen Stadt, Markt und Dorf Obrigkeiten hiemit aufgetragen, daß die Wälder, größere Bäume, Fruchten und Schluchten, wie auch einsame besonders verdächtige Gebäude, welche wenigstens 14 Tage durch 6 rüstige Männer zu bewachen sind, durch alle für ihre eigene Sicherheit aufzufordernde Inwohner durchsuchen und zu ihrer Entdeckung und Einbringung, alle möglichen Anstallten treffen sollen. Jeder der diese Räuber auffangen oder entdecken wird, erhaltet von Seiner Majestät 50 Dukaten für einen jeden Kopf; im Gegenteil wer diese große Verbrecher nicht entdecket, wissentlich verhehlet, oder durch Nahrungsmittel ihnen beisteht, wird der schwersten Strafe unterliegen.

Personsbeschreibung

1. Nikolaus Schmiedhofer, Holzknechtseppl, dieser ist nach seiner Angabe 36 bis 38 Jahre alt, großer, untersetzter Statur, hat eine länglich runde, gutgefärbte Gesichtsbildung mit glatten Fell, breiter Stirn, lichtbraune Augen, dunkelbraune Augenwimper, schöngeformte schmale Augenbrauen, längliche, gespitzte Nase, kleinen Mund, rundes Kinn, gesunde, weiße Zähne, kurz abgeschnittene dunkelbraune Haare und Bart. Spricht deutsch, nach obersteirischer Mundart und auch etwas jänisch (?). Am Zeigefinger der linken Hand fehlt ihm das erste Glied.

2. Georg Richter, fälschlich Josef Weissenbacher, insgemein die Goldhaube. Dieser ist großer, starker Statur, hat ein etwas breites volles sommersprossiges Gesicht, rote kurzgeschnittene Haare graue Augen, mittlere Nase, starke Backenknochen. Er hat bei dem Militär gedient, ist aus Bayern gebürtig, 27 bis 28 Jahre alt, und spricht bloß deutsch, er versteht auch die ungarische Sprache, die er bei dem Militär erlernte, deswegen gibt er sich auch für einen Soldaten aus. Die deutsche Sprache spricht er nach ausländischer Mundart.

3. Josef Freiberger, insgemein gekrauster Seppl, ein Deserteur. Dieser ist nach seiner Angabe 28 Jahre alt, großer untersetzter Statur, hat schwarze Haare, derlei Augenbrauen, graue Augen, starken schwarzen Bart und gespitzte Nase, spricht deutsch nach steirischer Mundart und auch jänsich.

4. Josef Koller, insgemein Naßl, ein Deserteur. Dieser ist nach seiner Angabe 26 Jahre alt, mittlerer Statur, etwas untersetzt, länglichen blassen Angesichts, etwas hervorragende Nase, kleine graue etwas tief liegende Augen, eine spitze Nase. Spricht gemein deutsch.

Pinkafeld, den 1ten Juni 1827
Ignaz von Czerdahely Vice-Gespann 

Die Flucht der Bande dauerte nicht lange, denn eine Woche später waren sie schon wieder alle eingefangen. Warum diese neuerliche Flucht so kurz war, darüber gibt es verschiedene Versionen. So soll ihn entweder eine Freundin für Geld verraten haben oder nach anderen Erzählungen wurde er in Friedberg bzw. Mönichkirchen wieder gefaßt.

Drei berühmte besser berüchtigte Bandenmitglieder, Josephus Koller ('Geheimrat'), Johann Niesner ('Fleischhacker Hans') und Josef Freyberger ('gekrauster Seppl') wurden als Deserteure vom Kriegsgericht Güns verurteilt. Nach dieser Verurteilung wurde sie nach Pinkafeld rücküberstellt und dort am 6. Juli 1827, einem Samstag, öffentlich hingerichtet. Mehr als 8000 Menschen wohnten dieser Hinrichtung bei. Der legendäre Pinkafelder Pfarrer Weinhofer hielt auf dem Richtplatz eine Standrede, deren Wortlaut in der Edlitzer Stadtchronik nachzulesen ist.

Der Holzknechtseppl überlebte seine engsten Spießgesellen noch um ganze 16 Monate im Gefängnis. Am 20. November 1828, einem Donnerstag, war es aber auch für ihn soweit. Pfarrer Weinhofer hielt wiederum die Standrede für einen Mann von dem die Pfarrchronik in seinem Heimatort Fladnitz berichtete:
"Der Schelmnikl - Holzknechtseppl - ein Scheusal, ein Schurke, wie hier Jahrhunderte nicht vorgekommen."
 


Über die letzten Monate des Holzknechtseppls ist dem Buch 'Geschichte der Stadt Pinkafeld' von J.K. Homma, erschienen 1987, der nachfolgende Bericht entnommen. Dieser Bericht enthält im Detail einige Fehler (z.B. Herkunft des Holzknechtseppls, Ort der Gefangennahme etc.): 

"Im Jahre 1826 wurde die Grenze durch eine verzweigte Räuberbande unsicher gemacht. Nicht bloß das Ausplündern von Häusern, auch Schand- und Mordtaten waren an der Tagesordnung. So fand man im Steirischen einen Glasermeister am Weg erschossen auf, andernorts stieß man auf die Leiche eines Mädchens, die an einen Ast gebunden, mit dem Kopf in einem Ameisenhaufen steckte, und wieder fand man ein Wickelkind mit zertrümmertem Schädel.

Auf Ansuchen der Herrschaft wurde im Schloß Pinkafeld eine k.k. Kommission eingesetzt, der von Seite Österreichs und Steiermarks der Leobener Oberbannrichter von Gräfe und der Grazer Magistratsrat von Pontner, von Seite Ungarns Herr von Szerdahely und ein Vertreter des Militärs angehörten. Kaiser Franz II. hatte die Kommission persönlich ernannt. 

Die Führer der Räuberbande, die sich 'Stradafüßler' nannte, und nach und nach weitere 30 Gesellen wurden nach langwierigen Streifungen eingefangen und nach Pinkafeld in Gewahrsam gebracht.

Ihr Anführer war ein Holzknechtssohn aus Edlitz, Niederösterreich, names Nikolaus Schmiedhofer, genannt 'Holzknechtseppl'. Der Geheimrat der Bande war das 'Kollerl' (Josef Koller). Der 'Guckkasten', auch 'Goldhauben' genannt, ein verhutzeltes Männlein, ging mit seinem Guckkasten von Haus zu Haus, die Örtlichkeiten auszuspionieren. Der 'Schlosser' war Sachverständiger bei den Einbrüchen; er wird als harmloser Bursche geschildert, der große Scheu vor Blut zeigte, aber in vollständiger Abhängigkeit der Mordgesellen geraten war. Der 'gekrauste Seppl' (Josef Freyberger aus Pettlstein bei Fehring) hatte den Rang eines Hauptmannstellvertreters und soll besonders verwegen und blutdürstig gewesen sein. Ebenso wird dem 'Fleischhacker Hansl' (Johann Niesner aus der Olmützer Gegend) große Tollkühnheit nachgerühmt. Ihre Quartiere hatten die Räuber im Waldwirtshaus bei Oberwart, in einem Gasthaus bei Rotenturm und im Waldwirtshaus bei Oberschützen. In letzteren wurden die Rädelsführer von Riedlingsdorfern Mähern gesehen und den Soldaten verraten.

Da angesichts des geglückten Fanges aller Wahrscheinlichkeit nach die Benötigung des Galgens bevorstand, beschloß der Magistrat, einen solchen neu zu errichten. Der Platz am 'Hochgericht' wurde gereinigt, ein Plan von Maurermeister Lang entworfen und der Grundstein am 25. Mai 1827 gelegt. 
...
Die Verhandlungen zogen sich in die Länge. Inzwischen hatten die in Ketten gelegten Häuptlinge Gelegenheit, auf Flucht zu sinnen. Den wachehabenden Zigeuner bestachen sie, und während sie täglich des Abends reumütig im Chorus den Rosenkranz beteten, sägten sie an ihren Eisenringen vierzehn Nächte lang. Dann überwältigten sie die Schildwache, erschossen den Korporal und den Bürger Andreas Hutter, der sie beim evangelischen Bethaus aufhalten wollte. Das Sturmläuten kam bereits zu spät. Nur zwei der Fliehenden konnten aufgehalten werden, fünf waren entwischt. Innerhalb von acht Tagen wurden allerdings auch diese eingefangen und nun ging das Verhör rascher vor sich.

Koller, Nierer und Freyberger wurden als Deserteure vor das Kriegsgericht Güns gestellt und zum Tode durch den Strang verurteilt. Josef Koller wurden viermalige Desertation, 8 Diebstähle, 2 Raube und 2 Mordtaten zur Last gelegt. Johann Niesner Desertation, 12 Raube, 6 qualifizierte Diebstähle, 2 Mordtaten. Freyberger zweimalige Desertation, 3 Brandlegungen, 18 Raube, 1 Diebstahl. Alle drei wurden nach reumütigen Bekenntnis am Schnellgalgen vor einer 8000 Menschen zählenden Menge hingerichtet. Am Tage der Hinrichtung brachte ihnen Pfarrer Weinhofer die Wegzehrung in Begleitung der Schuljugend, die betend und singend voranzog.

Am gleichen 1.August wurden folgende Mitschuldige verurteilt: Franz Eichleutner, Schullehrer von Bottendorf, Matthias Krodatsch, Wirt und Hehler, zum Tod durch den Strang. Magdalena Witzelsberger, die Geliebte des 'gekrausten Seppl', zum Tode durch das Schwert, Simon Laschober, Wirt, zu drei Jahren Arrest und 50 Karbatsch halbjährlich, Maria Drawenschak, dessen Geliebte, zu eineinhalb Jahren Arrest und 40 Krabatsch.

Fast nach zweijähriger Kerkerhaft erfolgte 1828 die Hinrichtung des 'Holzknechtseppls'. Seine Verurteilung war erfolgt auf Grund von 14 Raubmorden, 2 Brandlegungen, 54 Rauben, viermaliger Notzucht, 48 Diebstählen, 2 öffentlichen Gewalttätigkeiten, einer feuergefährlichen Handlung. Der Schaden, den er angerichtet, belief sich auf 23.844 Gulden. In den letzten Tagen kehrte er in sich, betete fast ununterbrochen und sah ruhig dem Ende entgegen. Auf dem Weg zur Richtstätte küßte er den wachehabenden Soldaten, dankte für die Mühe und fuhr mit niedergeschlagenen Augen, das Kreuz in den Händen, der Richtstätte zu. Noch im Hinaufziehen auf den Galgen bat er die Anwesenden um Vergebung und mahnte die Jugend, sich an ihm ein abschreckendes Beispiel zu nehmen."

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Für den Inhalt verantwortlich: Heinz Bundschuh